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„Im Frühjahr einen Gang zurückschalten“

Karl Walter ist Motorradfahrer – Im eigenen Museum früher in Ellenberg heute in Stimpfach sammelt er Raritäten

„Im Frühjahr einen Gang zurückschalten“

Von Svenja Mathéus

 



Ellenberg Wenn Karl Walter von seinen Motorrädern erzählt, kommt er ins Schwelgen. Der 57-Jährige aus Ellenberg hat sich mit Haut und Haar der Zweiradleidenschaft verschrieben. Im eigenen Museum in Ellenberg sammelt er Raritäten der Motorradgeschichte, eine Hercules mit Opelmotor aus dem Jahr 1953 ist darunter, eine Honda 500 – eine Rarität von 1971 – oder eine Schweizer Kosmos aus den 50ern und DDR-Motorräder aus den 60er Jahren. Allerlei Kuriositäten finden sich dazwischen wie eine Zapfsäule aus den 50er Jahren, ein Hochrad aus dem Jahr 1791 oder eine Bohrmaschine mit Flachriemen von 1930. Als gelernter Schlosser ist Karl Walter begeistert von der Präzision und dem Ideenreichtum, mit dem die Tüftler von damals solche ersten Wunderwerke der Technik schufen. Seine Leidenschaft ist ansteckend, selbst für den Motorrad-Laien, denn das Kuriositäten-Kabinett atmet Geschichte und verströmt den Oldtimer-Charme längst vergangener Tage.

Doch Karl Walter ist seit 40 Jahren ebenso passionierter Motorradfahrer. Und als solcher hat er jetzt im Frühjahr ein ernstes Anliegen: Selbst der erfahrene Motorradfahrer Walter macht im Frühjahr erst mal langsam mit seiner Yamaha XJ900, 98 PS, Baujahr 1993. Denn obschon die Sonne scheint und die Straßen trocken sind, kann das schöne Motorradfeeling schnell zum Horrortrip werden.

Die Kirschblüte, die hier auf der Ostalb zurzeit zahlreiche Fahrstrecken in ein malerisches Rosa taucht, ist nicht nur wunderschön anzuschauen, sie birgt auch Gefahren, gerade für Motorradfahrer, weiß Walter. Denn sobald Nieselregen einsetzt, bildet sich aus den Blüten und dem Blütenstaub, der dick auf den Straßen sitzt, in Verbindung mit Wasser ein rutschiger Film, erklärt er. „Wenn man dann auf dem Mittelstreifen zum Überholen ansetzt, beschleunigt oder unvermittelt abbremsen muss, dann ist man schneller verunglückt, als einem lieb ist.“

Ihm sei eine solche Situation schon passiert. Doch Walter hatte Glück, er trug die entsprechende Motorradkleidung. Gerade im Frühjahr sollte die stimmen, auch wenn das Königswetter zu leichteren Kleidungsstücken einlädt. Jungen Motorradfahrern rät er unbedingt zu einem Sicherheitstraining: „Junge Leute kaufen sich meist PS-starke Maschinen, ohne sie richtig zu beherrschen.“ Hilfreich kann auch die Montage von Sturzbügeln sein, die schützten nicht nur den Motor, sondern im Ernstfall auch die Beine des Fahrers. Generell lautet die Devise für das Frühjahr „erst mal einen Gang zurückschalten“, zumindest bis Mensch und Maschine sich nach der langen Winterpause wieder richtig vertraut sind.

(Erschienen: 10.04.2012 19:45)